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| Quelle: Sammlungen des Museums in Syców. |
Sonnabend, den 1. September 1934
Seit jenen Tagen befindet sich die Standesherrschaft ununterbrochen in den Händen der Nachkommen des Herzogs von Curland. Haben sich auch die Verhältnisse grundlegend geändert, ist von den Vorrechten, die der Standesherr früher genoss, nichts übrig geblieben, so darf doch nicht verkannt werden, dass ein so großer Betrieb, wie ihn die Güter des Prinzen Biron darstellen, einen wichtigen Faktor im Wirtschaftsleben unseres Kreises darstellen.
Aber abgesehen selbst hiervon, Wer wollte leugnen, dass die jahrhunderte lange Verbundenheit des Prinzlichen Hauses mit der Bevölkerung auch heute noch besteht und des öfteren bei offiziellen Gelegenheiten zu Tage tritt! Ist die Offenhaltung des Parks, in dem viele Wartenberger Bürger Erholungsstunden verleben, nicht ein täglich wiederholtes Geschenk des Prinzlichen Hauses an die Bürgerschaft?
Zu den Veranstaltungen des 1. September anlässlich des 200 jährigen Besitzjubiläums der Herrschaft Wartenberg ist die gesamte Bürgerschaft in den Schlosspark geladen; sie wird sicher nicht versäumen, der Einladung zu folgen und damit ihre Anteilnahme zum Ausdruck zu bringen an dem Jubiläum, das das Prinzliche Haus morgen begeht.
Montag, den 3. September
Die Feierlichkeiten anlässlich des 200 jährigen Besitztums der Herrschaft Wartenberg begannen am Gedenktage, dem 1. September, mit dem Aufmarsch der Beamten, Arbeiter und Arbeiterinnen der in Selbstverwaltung befindlichen prinzlichen Güter und sonstigen Betriebe. Etwa 340 Personen marschierten nachmittags 1 Uhr unter Vorantritt der Bernstädter Stadtkapelle an der Gartenterrasse des Schlosses vor, wo die prinzliche Familie sie erwartete. Erbprinz Karl Biron von Curland gab in einer Ansprache den Gedanken Ausdruck, die ihm und die prinzliche Familie die diesem Anlass erfüllen, nämlich den Gefühlen des Dankes an die Vorsehung, welche gefügt hat, dass die Herrschaft nunmehr zwei Jahrhunderte im Besitz der Familie Biron steht.
Nach einem kurzen Rückblick auf die Geschichte der Standesherrschaft in den vergangenen Jahrhunderten beschäftigte er sich des näheren mit den Ereignissen der Neuzeit, welche das Vaterland und zusätzlich den Kreis, die Stadt und die Herrschaft Wartenberg durch Verluste großer Gebietsteile schwer getroffen haben; hat noch die Herrschaft Wartenberg nur noch 1/3 ihres Umfanges des Vorkriegszeit. In der kritischen Zeit nach der Abtretung ist es den Bemühungen des Prinzen Vaters gelungen, zu erreichen, dass Schleise und Kunzendorf an Deutschland zurücktreten, ebenso wie die Erhaltung des Stadtwaldes bei Deutschland seinen Bemühungen zu danken ist.
Die Prinzliche Verwaltung hat in den schweren Jahren des Niederganges der Landwirtschaft zu ihrem Teil dafür gesorgt, dass ihren Arbeitern das Brot erhalten blieb, sie hat gern die sich bei dieser Maßnahme ergebenden Opfer getragen. Betriebsführer und Gefolgschaft dokumentieren durch ihr deutiges Zusammensein vor dem Schloss ihren Willen zur gemeinsamen Arbeit für Volk und Vaterland in dem Bewusstsein, dass das Wohl des Betriebes auch das Wohl der Gefolgschaft in sich schließt. Jedes Mitglied der Gefolgschaft dürfe sich vollen Verständnisses seiner Nöte beim Betriebsführer versichert halten und sich bei jeder Bedrängnis vertrauensvoll an ihn wenden.
Kurz die Geschichte der Standesherrschaft aus jüngster Zeit streifend, gedachte der Erbprinz dankend der Beamten und Arbeiter, welche der Herrschaft seit Jahrzehnten, z. T. in mehreren Generationen ihre Kraft widmen und schloss ein Gedenken an die bereits Dahingegangenen an. Bei diesem Fest des Dankes sei - so sagte der Erbprinz – auch den Arbeitern einschließlich der bereits im Ruhestand Befindlichen in Dankbarkeit gedacht, vor allem aber dem Höchsten der Dank des Hauses Biron dargebracht, welcher das Werk des Prinzen Vaters und seiner Vorväter gesegnet habe. „Möge des Himmels Segen auch ferner auf unserer Arbeit ruhen. “ – Der Choral: “Großer Gott wir loben Dich” schloss die Rede des Erbprinzen ab.
Künstlerisch ausgestaltete Gedenkblätter mit den Bildern des Begründers der Herrschaft, Herzogs Ernst Johann Biron von Curland, des Prinzenvaters und des Erbprinzen Karl wurden durch die Mitglieder der Prinzlichen Familie an die Gefolgschaft verteilt. Besonders langjährig tätige Mitglieder der landwirtschaftlichen Betriebe erhielten aus der Hand der Prinzessin Mutter und des Erbprinzen das tragbare Anerkennungszeichen der Landesbauernschaft Schlesien nebst der dazugehörigen Urkunde.
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| Gedankblatt, Quelle: Sammlungen des Museums in Syców. | Schlossvorwerk |
Unter Leitung der Beamten marschierte dann die Belegschaft, an der Spitze die Kapelle, nach dem Dominium Schloss Vorwerk, wo auf dem großen, im Jahre 1741 durch Friederich den Großen erbauten Schüttboden ein festliches Mahl für etwa 350 Personen gerichtet war. Der Raum war mit Fähnchen in den Bironischen Farben reich geschmückt und strahlte im Glanze vieler Glühlampen. Als die Prinzliche Familie vor dem Eingang vorfuhr, blies die Jägerei, die sich unter Oberförster Koberling dort aufgestellt hatte, den Fürstengrüß.
Beim Mahle hielt Verwaltungsdirektor Pfeiffer eine Ansprache, in welcher einen Abriss der Geschichte der Standesherrschaft seit dem Übergang in Bironischen Besitz gab und sich mit den Verdiensten beschäftigte, welche die einzelnen Inhaber der Herrschaft sich nicht nur um dieser sondern auch um Stadt und Kreis Groß Wartenberg erworben hat. Am Schluss seiner Rede gedachte Direktor Pfetffer verschiedener Mitglieder der Gefolgschaft, welche z. T. mehr als ein halbes Menschenalters im Dienst der Herrschaft stehen, so des allverehrten Altrentmeisters Franz (63 Dienstjahre) des treuen Holzschlagers Gottlieb Matalla (50 Dienstjahre) seit 46 Jahren emsig am Amboss schaffenden Schmiedemeisters Wollny und schließlich ferner, des Verwaltungsdirektors, selbst mit 47 Dienstjahres. Er überreichte schließlich der Herrschaft ein Album mit Ansichten von Gebäuden und Landschaften aus dem selbstbewirtschafteten Teil und schloss mit dem Rufe: „Gott erhalte unsere Herrschaft stets gesund”.
Den Abschluss des Jubiläumstages bildete ein Feuerwerk, welches im Raume zwischen der Schlossterrasse und dem Reitstallteich abgebrannt wurde. Die Bevölkerung hatte sich auf die Einladung der Verwaltung hin sehr zahlreich auf dem Platz vor dem Schlosse eingefunden. Die Lichtfontänen nahmen sich im Rahmen des dunklen Baumbestandes und im Spiegel des nächtlichen Reitstallteiches herrlich aus. Die himmelan steigenden Raketen lösten bei ihrer Auflösung in hohen Regionen, in tausend bunte Sterne sich teilend, offene Rufe der Bewunderung aus. Erwähnung verdient noch eine Gruppe, die einen sprühenden Wasserfall täuschend nachahmte. Zum Schluss erschien eine Lichtkrone, flankiert von den Jahreszahlen 1734 – 1934. Während des Feuerwerkes, welches die Prinzliche Familie mit ihren Gästen vom Balkon des Schlosses aus beobachtete, konzentrierte die Bernstädter Stadtkapelle vor dem Schlosse; der Zapfenstreich mit dem Niederländischen Dankgebet, das Deutschland und das Horst Wessel Lied schlossen die Veranstaltung ab. Im Weißen Saal des Schlosses und den angrenzenden Räumen nahm dann die Prinzliche Familie mit etwa 100 Gästen einen Abendimbiss (kaltes Büffet) ein. Erschienen waren die Prinzlichen Beamten und Pächter nebst Gattinnen, die Spitzen der Behörden aus Stadt und Land, als Vertreter der Bauernschaft Kreisbauernführer Ponwitz und einige der Prinzlichen Familie befreundete Angehörige des Landadels. In den prächtigen, aber doch anheimelnden Festräumen des Schlosses, die in Lichterfälle erstrahlten und die mit Blumenzierden verschwenderisch und geschmackvoll, immer wieder die Bironischen Farben zur Geltung bringend, ausgestattet waren, vergingen den Gästen einige kurze Stunden in anregendem Gespräch bei den liebenswürdigen Gastgebern.
Am Sonntag waren die Kinder der in den Betrieben tätigen Eltern zu einem Kinderfest in den Stampe?schen Garten geladen, wo bei leiblichen Genüssen große Fröhlichkeit herrschte, welche auch der später eintretende Regen nicht beeinträchtigen konnte.
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| Schiesshalle, Kegelbahn, Gasthaus, Garten | Saal, Kegelbahn, Gasthaus, Garten | |
| © Adam Noczyński, 2009 Syców |